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Mullet und Vokuhila: Wem die Kultfrisur wirklich steht

Der Mullet ist zurück, und zwar ernst gemeint. Woher die Frisur kommt, was sie vom Vokuhila der 80er unterscheidet und wem sie heute steht.

Rückansicht eines modernen Mullet: kurz geschnittenes Deckhaar, weicher Übergang und deutlich längere Partie im Nacken

EU-Kennzeichnung: KI-generierter Inhalt Symbolbild, kein Kundenergebnis. Echte Ergebnisse gibt es unter Kundenergebnisse.

Kaum eine Frisur polarisiert so zuverlässig wie der Mullet. Für die einen ist er der Inbegriff von schlechtem Geschmack, für die anderen der mutigste Schnitt, den man gerade tragen kann. Beide Lager haben etwas übersehen: Diese Frisur ist deutlich älter als ihr Ruf, und der Schnitt, den ich heute an meinem Stuhl mache, hat mit dem Fußballer-Vokuhila von 1985 fast nichts mehr zu tun. Hier bekommst du die Einordnung, die dir sonst niemand gibt.

Vokuhila, Mullet, Shag: erst einmal die Begriffe sortieren

Fangen wir bei der Sprache an, weil dort die meiste Verwirrung entsteht.

Vokuhila ist ein deutsches Kunstwort. Der Duden führt es als Kurzwort aus „vorn kurz, hinten lang” und definiert die Frisur als eine, bei der die Haare vorne ziemlich kurz und im Nacken deutlich länger getragen werden. Nüchterner geht es kaum.

Mullet ist die englische Bezeichnung für dieselbe Grundidee. Interessant ist, wie jung dieses Wort ist: Das Oxford English Dictionary hält fest, dass der Begriff für die Frisur „apparently coined, and certainly popularized” von der Hip-Hop-Gruppe Beastie Boys stammt, die ihn 1994 in ihrem Song „Mullet Head” benutzten. Ein Jahr später legten sie in ihrem Magazin mit einem sechsseitigen Artikel nach.

Shag und Wolf Cut sind Verwandte, keine Synonyme. Sie arbeiten mit Stufen über den ganzen Kopf, während der Mullet die klare Trennung zwischen kurz vorne und lang hinten behält. Wer sich das nicht bewusst macht, bekommt am Ende einen anderen Schnitt als bestellt.

Die Frisur ist erheblich älter als die achtziger Jahre

Das ist der Teil, der die meisten überrascht. Der Begriff ist von 1994, die Frisur selbst ist Jahrtausende alt.

Der römische Geschichtsschreiber Sueton notierte über Kaiser Tiberius, er habe sein Haar hinten so lang getragen, dass es sogar den Nacken bedeckte. Der byzantinische Gelehrte Prokopios beschrieb im sechsten Jahrhundert Männer, die ihr Haar hinten lang trugen und über der Stirn kurz schnitten. Und bei Ausgrabungen in England kam eine Metallfigur aus dem ersten Jahrhundert zutage, die auf eine ähnliche Tragweise hindeutet.

Wenn dir also jemand sagt, der Mullet sei eine Verirrung der achtziger Jahre, dann liegt er um etwa zweitausend Jahre daneben. Die Achtziger haben ihn nur besonders laut getragen.

Warum die Frisur ausgerechnet jetzt zurückkam

Der Auslöser für das Comeback war handfest: Im September 2020 rief das Magazin i-D das Jahr zum „year of the mullet” aus und führte den Boom direkt auf die Lockdowns und geschlossenen Salons zurück. Wer monatelang nicht zum Friseur konnte, hatte irgendwann vorne kurz gewachsenes und hinten langes Haar, und ein Teil davon entschied sich, das absichtlich weiterzutragen. Seit 2020 gibt es in den USA sogar eine jährliche Mullet-Meisterschaft.

Dazu kam ein zweites Argument, das damals oft genannt wurde: In Videokonferenzen sieht man von einem Menschen vor allem die Vorderansicht. Vorne seriös, hinten frei, das passte in diese Zeit.

Was den modernen Mullet vom Vokuhila von 1985 unterscheidet

Hier liegt der eigentliche Unterschied, und er ist handwerklich.

Der Vokuhila der achtziger Jahre lebte von einer harten Kante. Oben kurz, hinten lang, dazwischen eine sichtbare Trennlinie. Genau diese Linie ist es, die auf alten Fotos so unbeholfen wirkt.

Der Schnitt, den ich heute mache, arbeitet in weichen Übergängen. Die Seiten laufen ineinander, statt abzubrechen. Die Länge im Nacken wird ausgedünnt, damit sie fällt statt zu hängen. Und die Textur oben ist das eigentliche Thema: Der Schnitt lebt davon, dass Bewegung im Deckhaar sitzt, nicht davon, dass hinten möglichst viel Haar bleibt.

Kurz gesagt: Früher war der Vokuhila eine Länge. Heute ist der Mullet eine Form.

Wem der Schnitt wirklich steht

Ich bin ehrlich, weil dir alles andere nichts bringt. Der Mullet ist kein Schnitt für jeden, und das liegt weniger am Mut als an drei nüchternen Faktoren.

Deine Haarstruktur. Welliges und lockiges Haar trägt diesen Schnitt am besten, weil die Textur die Übergänge von selbst weich zeichnet. Sehr feines, glattes Haar kann funktionieren, braucht aber mehr Schnitttechnik und etwas Styling, sonst wirkt der Nacken schnell dünn.

Deine Gesichtsform. Der Schnitt zieht optisch in die Länge und legt den Fokus auf Wangenknochen und Kieferpartie. Bei einem rundlichen Gesicht ist das ein Gewinn. Bei einem sehr schmalen, langen Gesicht muss man vorne mehr Fülle lassen, sonst streckt es zusätzlich.

Dein Alltag. Das ist der Punkt, der am häufigsten unterschätzt wird. Ein Mullet, der gut aussieht, braucht morgens zwei Minuten Zuwendung und alle paar Wochen einen Termin. Wer beides nicht einplanen will, ist mit einem klassischen Damenhaarschnitt oder einem sauberen Herrenhaarschnitt glücklicher. Das ist keine Absage an den Mullet, sondern eine ehrliche Rechnung.

Wie oft du wirklich nachschneiden lassen musst

Hier hilft eine Zahl statt eines Gefühls. Kopfhaar wächst laut Cleveland Clinic etwa einen Zentimeter pro Monat, und die Wachstumsphase eines einzelnen Haares dauert zwischen zwei und sieben Jahren.

Ein Zentimeter klingt nach wenig. Bei einem Schnitt, der von präzisen Übergängen lebt, ist es viel. Nach acht Wochen sind aus einem definierten Übergang schon zwei bis drei Zentimeter Unschärfe geworden, und genau dann kippt der Mullet von „gewollt” nach „rausgewachsen”.

Meine Empfehlung aus der Praxis: alle sechs bis acht Wochen nachschneiden lassen. Wer den Schnitt kürzer und präziser trägt, eher sechs. Wer die weiche, längere Variante mag, kann auf zehn Wochen gehen.

Farbe im Mullet, ja oder nein

Der Schnitt verträgt Farbe ausgesprochen gut, weil die Struktur ohnehin Bewegung hat. Weiche Aufhellungen in den Spitzen betonen die Länge im Nacken, ohne den Ansatz zur Dauerbaustelle zu machen. Welche Technik dafür in Frage kommt, habe ich in meinem Ratgeber zu Balayage, Foliensträhnen und Highlights auseinandergenommen.

Wovon ich abrate: harte, kontrastreiche Farbblöcke direkt an der Übergangszone. Sie betonen genau die Kante, die der moderne Schnitt eigentlich auflösen soll.

Welcher Schnitt passt zu dir?

Wenn du welliges Haar hast, dich an deinem Look nicht störst, wenn er ein bisschen eigenwillig ist, und alle sechs bis acht Wochen Zeit für einen Termin hast, dann ist der Mullet ein großartiger Schnitt. Er ist der seltene Fall einer Frisur, die Charakter zeigt, ohne dass man dafür laut sein muss.

Wenn du dagegen morgens keine Minute übrig hast oder alle vier Monate zum Friseur kommst, dann tue dir den Gefallen und nimm eine ruhigere Form. Ein Schnitt, der nur frisch gut aussieht, ist ein schlechter Schnitt.

Ich sage dir das bei der Beratung offen, bevor die Schere ansetzt. Beispiele aus meiner Arbeit findest du bei den Kundenergebnissen.

Lust auf einen Schnitt mit Haltung?

Wenn du mit dem Gedanken spielst, schauen wir ihn uns gemeinsam an, ganz in Ruhe. Ich sehe mir deine Haarstruktur an, wir reden über deinen Alltag, und dann sage ich dir ehrlich, ob der Schnitt zu dir passt oder ob wir besser eine Variante davon machen. In der BARBIERSTUBE mitten in Oldenburg nehme ich mir dafür die Zeit, die es braucht. Ich freue mich auf dich.

Quellen

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